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Unheimliche Begegnung der BYOB Art – der Altmann-Verstärker 

Manchmal kommt man als HiFi-Fan durch Zufall auf absonderliche Dinge. Der Betrieb des BringYourOwnBattery – Verstärkers in meinem Wohnzimmer war so eine Gelegenheit . Klanglich exzellent, als Gerät sehr widersprüchlich. Aber der Reihe nach. 

Leichtgewicht mit Schwerlast

Wie ihr wisst freu ich mich über Kontakte zu anderen HiFi-Fans. Und so kam es, dass jemand meine BreitbandLautsprecher hören wollte. Also Termin vereinbart und noch eine Bitte erfüllt „ Darf ich einen Verstärker mitbringen?“ Klar doch, wenn er nicht übermässig schwer ist. 

Als der audiophile Kollege dann mit einer Rodel ( für deutsche Fans = Sackkarre) vor der Tür stand war ich etwas verblüfft. Nein, es war nicht der Amp, es war eine Autobatterie, die den gewichtigen Transport nötig machte.

Brett Bit ?

Noch verblüffter war ich allerdings angesichts des „Verstärkers“ . Ein schlichtes Holzbrett , etwa A4 groß mit einem daufgeschraubten Print. Thats it! Und nochmals das gleiche Aussehen , das war der DAC, welcher dem winzigen Amp analoges Futter feinster Sorte zufühten sollte. Der DAC hing per TOSLINk (optischem Kabel) an meinem Eversolo, diesmal als Streamer benutzt. Zwischen DAC und Amp ein Cinch-Kabel und an den Bananenbuchsen meine Hauer-Lautsprecherkabel. 

Vom Aussehen hab ich ehrlich nicht sehr viel erwartet, noch dazu wo mir gesagt wurde dass der Amp kaum 2 x 10 Watt liefern kann. Meine MAOP 11 Treiber sind mit 88,6 DB Empfindlichkeit und 7 Ohm Widerstand  so mittel wirksam. Trotzdem wurde es laut, ja sogar sehr laut. Vor allem aber wurde es schön. In mancher Hinsicht fast schöner als mein Eversolo DAC mit dem F10 Verstärker vorher zeigen konnte. Der Klang war von einer Harmonie, Reinheit und selbstverständlicher Auflösung richtig angenehm. Bis zur natürlichen Grenze, die ein kleiner Lautsprecher mit 10 Watt betrieben in einem 55 m2 Wohnzimmer eben aufzeigt. Gitarren, Streicher , alles von edler Eleganz . Stimmen selten vollmundig und klar . 

Das Gegenteil vom wunderbaren Klang

Alles vollkommen also ? Nun ja , beim Erwähnen des Preises ist mir die Euphorie wieder etwas vergangen. Das schlichte Teil als Verstärker kostet satte 3000.- Euro. Der DAC  nochmal so viel. Oida!  ist man da versucht auszurufen in Wien. 

Aber gehn wir die Sache nochmal von vorne an: Warum ist der von Dipl. Ing. Charles Altmann gebaute Verstärker so wie er ist. Konsequenz wäre eine Erklärung. 

No Noise , No Vibrations possible

Netzteile bringen Schmutz aus dem Netz mit , also sollen sie vermieden werde, bring your own Battery ist die Devise. 12 V Gleichspannung geben natürlich nicht sehr viel Leistung ab , daher das Limit. 

Vibrationen sind vom Allerbösesten für den Klang für Guru Altmann , egal ob vom Gehäuse, von der Unterlage oder von wo auch immer. Wo kein Gehäuse ist, kann auch nix vibrieren, also kein Gehäuse. 

Nachdem der Print aber nicht im Raum schweben kann , muss eine Unterlage her. HOLZ klingt besser als Plastik und Metall, also ein Holzbrett. Schön weich und musik-affin. Damit das auch optimal wird, kommt noch ein Lack ins Spiel, Geigen , Gitarren und andere Holzinstrumente sind ja auch lackiert. 

Ich muss mich zusammen nehmen jetzt

Und hier wird’s für mich etwas — ähh esoterisch. Dass Instrumente ein schwingendes Holzelement haben ist klar. Das Fichtenbrett unter dem PCB aber wird für mich kaum „musikalischer“ mit Geigenlack. Auch der angeblich mit gleichem Lack bestrichene Print „schwingt“ vermutlich nanomässig mit , egal ob mit oder ohne Lack. 

Die Schaltung scheint minimalistisch zu sein, das zeigen die Bauteile , die von hoher Qualität sind . Eine 1 m lange Cinch-Leitung zwischen DAC und AMP könnte viel problematischer sein. Und wo bei allem Aufwand die 3000 Euro versteckt sind , erschließt sich überhaupt nicht.

Wo versteckt sich der Preis?

Jetzt kann man natürlich argumentieren, es wäre wie bei einem Maler: „Wie lange hast du für dieses Bild gebraucht ?“  „50 Jahre“ . Die jahrelange Entwicklungszeit muss bezahlt werden. Das eigenartige Gefühl kommt aber auf, wenn man einen „refurbished“ Verstärker , also ein in der Werkstatt wieder voll instand gesetztes gebrauchtes Teil um 1500.- kaufen kann. Und wenn etwas an der Geschichte dran wäre, dass der Verstärker vorher VIEL günstiger war, sich aber irgendwelche Trolle ausgeregt haben über den hoghen Preis des Prints. Seit er 3000.- Euro kostet, ist diese Diskussion vorbei, jetzt ist es geadelt von der Eigenschaft „sauteuer“. 

Eure Mithilfe ist gefragt JETZT

Ich möchte diesmal ganz besonders bitten darum, sich selber ein Bild zu machen von der Manufaktur auf http://www.mother-of-tone.com/index.htm   . Dort wird man durchgeführt durch alls Höhen und Tiefen bis zum Gerät. Und der Herr Dipl. Ing. wird hoffentlich bald eins hinter das HTTP wachsen lassen , sonst kommt man sich unsicher vor. 

Dort gibt es auch Lautsprecher-Bausätze, die konsequenterweise nur mit Papiermembranen arbeiten, ein Dreiweg-System. Was mir wiederum komisch vorkommt , denn wenn man Phasendrehungen schon als das Böse vom Bösen ansieht , sollte doch ein Zweiwegsystem viel besser sein. 

Wenn ihr also alles gelesen habt auf Altmanns Webseite , bitte sagt mir und den anderen Lesern was ihr davon haltet. Der Klang – nochmal sei es gesagt – ist hervorragend. Der Aufbau nicht nur mit dem „Woman Acceptance Factor“ von minus 20 erklärt, sondern in keinem Wohnzimmer eine Augenweide. Usability eher unter der minimal akzeptablen Grenze. Die dicken Bananenbuchsen würden nicht nur  Danny von GR Research die Krausbirne wachsen lassen . 

Es war sehr schon, es hat mich auch gefreut, aber jetzt bin ich sehr gespannt auf die Diskussion. Shoot! 

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